柏林佛光山

25.07.2024

Ein neuer Bericht über die Geschichten der Welt (Auswahl)
Herausgegeben von Liu Yiqing (403-444, Liu-Song-Dynastie)

Literatur (Auszug)

Kaiser Wen befahl dem Prinzen von Dong, innerhalb von sieben Schritten ein Gedicht zu schreiben. Schaffe er dies nicht, erwarte ihn die Hinrichtung. Als der Prinz dies vernahm, verfasste er das folgende Gedicht:

Bohnen kochen für eine Suppe,
aus dem Mus einen Saft filtern.

Die Bohnenstiele, unter dem Kessel brennen sie.
Die Bohnen, in dem Kessel weinen sie.

Ursprünglich aus derselben Wurzel erwachsen,
wozu sie so hart quälen?

Der Kaiser schämte sich zutiefst.

Ermahnung (Auszug)

Während eines Austauschs mit Kaiser Yuan aus der Han-Dynastie fragte Jing Fang:

„Aus welchem Grund sind die Könige Du und Li von Zhou gestürzt worden? Welche Menschen arbeiteten für sie?“

„Es waren illoyale Leute, die für sie arbeiteten.“

„Warum beschäftigten sie Illoyale trotz Kenntnis über ihre Untreue?“

„Jeder König, der seine Nation zu Fall brachte, glaubte daran, dass seine Minister tugendhaft waren. Wie kann es so etwas wie die Beschäftigung illoyaler Leute geben?“

Als Jing Fang dies hörte, warf er sich nieder und sprach:

„Ich befürchte, wie wir heute die Menschen der Vergangenheit sehen, werden auch wir von späteren Generationen beurteilt.“

── aus Shishuo Xinyu

Auswahl aus der Lehre von Mitte und Maß
Kong Ji (483 v. Chr. – 402 v. Chr., Frühling- und Herbstperiode),
herausgegeben von Zhu Xi (1130-1200, Song-Dynastie)

Wer sich dem Lernen freudvoll zuwendet, ist dem Wissen nahe.
Wer sich dem Handeln kraftvoll hingibt, ist der Großzügigkeit nahe.
Wer sich seinem Schamgefühl aufmerksam öffnet, ist dem Mut nahe.

Studiere umfassend,
reflektiere sorgfältig,
sinniere vorsichtig,
analysiere wachsam,
handele aufrichtig.

Der Weg darf nicht für einen Moment verlassen werden.
Könnte er verlassen werden, wäre er nicht der Weg.

Aus diesem Grund ist der Edle
vorsichtig in Bezug auf das, was er nicht sieht,
besorgt in Bezug auf das, was er nicht hört.

Ist im Verborgenen nichts sichtbar,
ist im Winzigen nichts scheinbar,
übt der Edle Vorsicht gegenüber jener Einzigartigkeit.

Haben Freude oder Ärger, Trauer oder Heiterkeit sich noch nicht entfaltet, kann man es die Mitte nennen.
Entfalten sie sich und sind alle mittig zueinander, kann man es Harmonie nennen.

Die Mitte ist die große Wurzel für alles in der Welt.
Die Harmonie ist der perfekte Weg für alles in der Welt.

Wo Mitte und Harmonie im Lot sind,
da sind Himmel und Erde in ihrer Ordnung,
da sind alle Dinge in ihrer Entwicklung.

── aus Zhongyong

25.07.2024