wir begrüßen Sie auf diesem Wege sehr herzlich im Fo-guang-shan-Tempel von Berlin. “Fo-guang-shan” heißt “Berg des Buddha-Lichtes”. Dies ist der Name unseres Stammklosters auf Taiwan, Republik China, von dem auch unsere weltweite buddhistische Bewegung ihren Namen hat.
Vielleicht betreten Sie zum ersten Mal einen buddhistischen Tempel und sind noch unsicher. Deshalb möchten wir Ihnen mit dieser Kurzbeschreibung einen kleinen Führer durch unseren Tempel anbieten.
Warum haben wir diesen Tempel gebaut? – Wir glauben, das der Buddhismus, insbesondere seine chinesische Tradition, gerade den Menschen unserer so sinnentleerten Zeit viel zu sagen hat. Der Buddhismus missioniert nicht. Aber er zeigt seine Lehre. Er stellt sie mit offenen Händen und Herzen dar und lädt alle Menschen ein, sich von ihm ein Bild zu machen.
Vielleicht finden gerade Sie bei uns eine Antwort auf eine Sie beschäftigende Frage. Wir sind eine Gemeinschaft aus Menschen vieler Nationalitäten.
Wenn sie unseren Tempel durch eine der beiden Seitentüren betreten (das mittlere Tor ist Mönchen und Nonnen vorbehalten), wird Ihr Blick zuerst auf die drei großen Buddha-Statuen im Hintergrund der Halle fallen. Die Zahl 3 spielt eine große Rolle im Buddhismus. Sie ist eine Zahl der Vollkommenheit. Buddhist wird man durch ein Bekenntnis (“Zufluchtnahme”) zu den Drei Kostbarkeiten (Buddha, seine Lehre und seine Gemeinschaft).

Die 3 Statuen:
In der Mitte sehen Sie den Buddha Sakyamuni (ca. 560 – 480 v. Chr), den Begründer unserer Religion. Ein Buddha ist ein “Erwachter”, einer, der alle Täuschungen über die wahre Natur des Lebens überwunden hat und dadurch wirklich frei geworden ist. Neben dem Buddha unserer Geschichte und unserer Erde gibt es zahllose andere Buddhas, denn überall da, wo Leiden vorhanden ist, gibt es auch Wesen, die den Weg zur Überwindung des Leidens lehren. Außerdem gibt es auch Buddhas in Welten ohne Leiden. Die Statuen zweier solcher Buddhas sehen Sie neben dem Buddha Sakyamuni.
Rechts neben ihm befindet sich eine Statue des Buddha des Heilens, Bhaisajyaguru-Buddha. Der Buddha hat sich immer als “großen Arzt” bezeichnet, der alle Lebewesen zur Heilung von ihrem Leiden führen will. Der Buddha des Heilens ist ein Erwachter, der insbesondere die Leiden der Wesen lindern will, um ihnen den Heilsweg zu erleichtern.
Auf der linken Seite befindet sich der Buddha Amitabha, der seinen eigenen Heilsweg besonders mit uns Menschen verbunden hat. Er hat dereinst gelobt, allen Wesen in der Todesstunde beizustehen und sie in ein Umfeld der Wiedergeburt zu führen, wo sie den Heilsweg ohne Hindernisse weitergehen können.
Sie finden in diesen 3 Statuen also Leben und Tod als Abschnitte des Heilsweges dargestellt.
Etwas wird Ihnen aufgefallen sein: alle 3 Statuen haben auf der Brust ein kleines Symbol, eine Svastika. Dies ist ein uraltes indisches und chinesisches Zeichen, daß die Vollkommenheit eines Erwachten symbolisiert.
Der Altar
Vor den 3 Statuen sehen Sie einen Altar, auf dem vielfaltige Opfergaben dargebracht werden.
Weihrauch gilt seit altersher als Zeichen der Läuterung des Herzens und der Sinne. Er soll unsere Verehrung in das ganze Universum tragen. Die Kerzen symbolisieren das Licht der Erleuchtung. Die Blumen erinnern uns an die Vergänglichkeit aller Dinge.
Schließlich sehen Sie noch Schalen mit Nahrung. Der Buddha war ein Mönch. Und von altersher ernähren sich die buddhistischen Mönche und Nonnen von Gaben, die ihnen in die Almosenschale gelegt werden. In Erinnerung daran bringen wir dem Buddha deshalb auch heute noch symbolisch Nahrung dar.
Während der Andachten nehmen die Mönche und Nonnen hinter dem Altartisch Platz.
Vor diesem sehen Sie noch verschiedenen Musikinstrumente, die wir im Kult benutzen. Rechts steht ein Klangbecken. Mit seinem Ertönen werden Abschnitte des Rituals bzw. Veränderungen der Melodien angekündigt.
Das Instrument auf der linken Seite wird “Holzfisch” genannt. Nach chinesischer Auffassung schläft der Fisch nie, da seine Augen immer geöffnet sind. Deshalb dient solch ein Holzfisch als Symbol der immer klaren geistigen Wachheit, die ein Anhänger des Buddha üben sollte. Im Ritual wird es benutzt, um den Rhythmus der Rezitationen gleichmäßig zu gestalten.
Zu beiden Seiten der Statuen stehen tausendfach beleuchtete Stupas. Stupas waren ursprünglich Schreine für die Reliquien des Buddha und seiner großen Jünger. Heute sollen sie uns an die immerwährende Gegenwart der Buddhas und an ihre Lehre erinnern.
100.000 Buddhas
Inzwischen wird Ihnen aufgefallen sein, daß Sie nicht nur über dem Hauptaltar, sondern eigentlich überall in der Tempelhalle zahllose Buddhafiguren erblicken. Erleuchtung kann von jedem Lebewesen verwirklicht werden. Überall und zu allen Zeiten gab und gibt es Erwachte. Wohin unser Blick sich auch wendet, dort finden wir Buddhaschaft und den Keim zu ihrer Verwirklichung.
Seitenaltare
Wenden Sie Ihren Blick nun nach rechts, so sehen Sie einen Nebenaltar. Auf ihm wird der Bodhisattva Avalokitesvara (in seiner weiblichen
Erscheinungsweise – Kuanyin – ) verehrt. Ein Bodhisattva ist ein Wesen, das sich ganz in den Dienst des Strebens zur Erleuchtung und aller seiner Mitwesen gestellt hat. Avalokitesvara hat gelobt, die Hilferufe aller Wesen zu hören. Die Gläubigen bringen insbesondere hier ihre Gebete für ein Leben ohne Hindernisse dar.
Auf der linken Seite des Tempels befindet sich der Altar eines anderen Bodhisattva, Ksitigarbha. Hier bringen die Gläubigen ihre Gebete f&uul;r die Verstorbenen dar, denn dieser Bodhisattva hat gelobt, auch die Wesen aus den niedersten Daseinsbereichen zu erretten.
Lotusblüten
Wenn Sie zur Decke oder auch zu den Wänden unseres Tempels geschaut haben, werden Ihnen überall stilisierte Lotusblüten aufgefallen sein. Die Lotusblüte ist ein wichtiges Symbol im Buddhismus. Sie wächst im Schlamm der Teiche und erhebt sich über die Wasseroberfläche dem Licht entgegen. So ist sie ein Abbild unseres geistigen Weges.
Fußboden
Werfen Sie auch noch einen kurzen Blick auf den Boden unter Ihren Füßen. Der braune Fliesenfußboden erinnert uns an das Gewand des Mönches und der Nonne, daß ursprünglich aus gleichmäßig eingefärbten Stoff-Fetzen zusammengenäht wurde.
Wir hoffen, daß Sie einige besinnliche Minuten in unserem Tempel verbringen konnten, und wünschen Ihnen alles Gute. Wir werden uns freuen, Sie wiederzusehen.