柏林佛光山

28.09.2021

Die Lehre vom Lehrer (Auszug)
Han Yu (768-824, Tang-Dynastie)

Seit jeher muss jeder Lernende einen Lehrer haben.

Weil es einen Lehrer gibt, wird seine Lehre übermittelt, wird sein Wirken übernommen, werden die Zweifel beseitigt.

Niemand wurde mit Wissen geboren, wer kann also frei von Zweifel zu sein?
Hege ich Zweifel, folge aber nicht einem Lehrer, schaffe ich weitere Zweifel, die ich nicht endgültig beseitige.
Nehme ich mir den Weg zum Lehrer, was brauche ich dann über sein Alter zu wissen?

So bin ich frei von Überlegenheit, frei von Unterlegenheit, frei von Zunahme, frei von Abnahme, was der Weg bewahrt, ist das, was mein Lehrer bewahrt.

── aus Shi Shuo

Maxime über die Familienführung
Han Yu (768-824, Tang-Dynastie)

Bin ich ein Mann von Charakter, so ist die Gründung einer Familie leicht;
bin ich ein Mann voll Souveränität, so ist es nicht schwer, sich Ziele zu setzen.

Trete ich einen Schritt zurück, so stellt sich Eleganz von selber ein;
überlasse ich anderen ihren Anteil, wie wohl ist das.

Erdulde ich so manches Geplapper, so bin ich unbesorgt und frei;
ertrage ich eine einfältige Zeit, so bin ich fröhlich und entspannt.

Gebe ich mich mit fadem Gemüse zufrieden, so findet sich darin ein ganz eigener Geschmack;
halte ich mich an die staatlichen Gesetze, so bin ich im Traum frei von Furcht.

Löchert jemand mich mit Fragen zu irdischen Themen,
so schüttele ich meinen Kopf und spiele unwissend.

Lieber gehe ich in die Berge, um Teeblätter zu pflücken,
als in den Gassen Wein zu trinken.

Wichtig ist mir, in der Nähe von Gelehrten zu sein, die den Weg kennen;
So früh wie möglich verzichte ich auf Freunde, die frei von Empfindungen sind.

Weder sorge ich mich um Armut, noch prahle ich mit Reichtum;
seit wann hielt eine Familie in Armut oder Reichtum jemals für lange an?

── aus Han Changli Xiansheng Ji

28.09.2021