柏林佛光山

18.04.2021

Das Schaf auf dem Hügel · Unzufriedenheit

Zhu Zaiyu (1536-1610, Ming-Dynastie)

Was den Menschen zur Arbeit antreibt, ist sein knurrender Magen,
ist dieser dann voll, denkt er „Welch schönes Kleid könnt´ ich morgen wohl tragen?“

Trägt er das neue, schöne, seidene Kleid,
wird ihm plötzlich seine Behausung leid.

Wohnt er nun im neuen, kolossalen Bau,
fehlt ihm doch noch eine schöne junge Frau.

Hebt er die schöne Braut über die Schwelle seines Palastes empor,
vermisst er gleich auch noch das Pferd vor dem Tor.

Steht vor dem Tor ein Rappen voll Saft und Kraft,
hält er schon Ausschau nach neuer Dienerschaft.

Und wird sein Haus von noch so vielen Dienern bewacht,
fühlt er sich doch verlacht als reich ohne Macht.

So wird er endlich Teil der Beamtenschaft,
doch dünkt ihn sein Einfluss noch immer zwergenhaft.

Als Minister scheint er am Ziel, obschon…
er schielt noch höher nach des Königs Thron.

Und tatsächlich kommt der Thron des Südens unter seines Hauses Dach,
doch noch nicht genug, er fordert den Unsterblichen heraus beim Schach.

Lu Dongbins Schachkunst hat er bezwungen, doch sein Gemüt ist immer noch nicht heiter,
denn schon wieder schielt er nach oben – auf die Himmelsleiter.

Neu und groß will er nun die Himmelsleiter erbauen,
da muss er König Jamas Geistern in die Augen schauen.

Der Tod beendet alles, und niemand überhört sein Rufen,
sonst hätt´ er sicher noch das Maß bemängelt an der Himmelsleiter Treppenstufen.

── aus Xing Shi Ci

18.04.2021