柏林佛光山

16.08.2021

Erinnerungen an Minchi gemeinsam mit meinem Bruder Ziyou
Su Shi (1036-1101, Song-Dynastie)

Mit welchem Ort ist das Menschenleben vergleichbar? Man müsste es mit dem Kranich vergleichen, der Schneematsch betritt, beiläufig Spuren hinterlassend. Fliegt er fort, was erinnert daran, ob er nach Osten oder Westen flog?

Der alte Mönch starb, ein neuer Stupa wurde erbaut, aber nichts an der verfallenen Mauer lässt alte Inschriften erkennen. Erinnerst du dich an die bergigen Pfade von einst? Der Weg war lang, der Reisende erschöpft, der lahme Esel schrie.

Über die Frühlingslandschaft am Dongting-See
Su Shi (1036-1101, Song-Dynastie)

Begreife, dass diese Welt wie eine trügerische Blase ist, fange tausend Meilen an einem einzigen Ort ein.

Wie einfach ist das Aufheben eines Dattelblattes, doch wie schwer, es in ein Senfkorn einzufassen.

── aus Dongpo Shiji

Anmerkung: Das Leben ist wie Entengrütze, die auf dem Wasser treibt mit unbekanntem Ziel. Es ist ebenfalls vergleichbar mit Wolken, die in der Luft schweben mit unbekannter Heimat. Schwäne und Vögel hinterlassen ihre Fußspuren nur vorübergehend auf dem schneebedeckten Boden, bevor sie wieder losfliegen, nicht wissend, wo der nächste Halt sein wird.
Menschen sind wie Reisende, deren Wege sich gelegentlich für einen kurzen Augenblick kreuzen, bevor sie sich wieder trennen. Zu bestimmten Bedingungen entstehen Dinge; zerstreuen sich die Bedingungen, hören die Dinge auf zu sein. Das Gesetz des abhängigen Entstehens ermöglicht es uns, mit sich ständig ändernden Bedingungen Frieden zu schließen, in einer bestimmten Rolle unser Bestes zu geben, uns in Übereinstimmung mit Vernunft und Prinzipien zu äußern, uns unter jeglichen Umständen einzurichten, uns auf verschiedene Menschen einzustellen und mit vollkommener Leichtigkeit unserem Herzen zu folgen.

16.08.2021