柏林佛光山

06.09.2021

Refugium in den Bergen
Chan-Meister Guanxiu (832-912, Tang-Dynastie)

I
Über wie viele Dynastien kann das vermeintlich Schöne sich nur halten?
Wellen der Vergänglichkeit spülen es den ganzen Tag über sintflutartig hinweg.

Die verfallenen Höfe der Han-Könige sind bedeckt von Herbst-Gräsern,
der verwilderte Palast der Wu-Herrscher ist in nächtliches Dunkel gehüllt.

Seine Hütte befüllt mit Gold, gönnt er sich keinerlei Ruh,
hat er Haare ganz in Weiß, ist sein Ansehen weiterhin hoch.

Wer sich auskennt in Genügsamkeit, ein goldener Unsterblicher ist er,
was für ein himmlischer Duft erfüllt dessen Gewand.

II
Durch Felder, ummantelt von Tautropfen und roten Orchideen,
ziehe ich meine gemächlichen Schritte westwärts zum Gipfel.

Lass den Geist sein wie der Lotos, rein und unberührt,
wozu den Körper wie Holz vertrocknen lassen?

Im dichten Nebel der antiken Pfade altern rote Bäume,
im frostigen Schnee der steilen Hänge ertönt einsam das Geschrei der Affen.

Obwohl es nicht die Höhle zum Pfirsichgarten* ist,
bringt der Frühling Pfirsichduft und füllt auch diesen Pfad damit.

── aus Quan Tang Shi

*bezieht sich hier auf den Garten der Pfirsiche der Unsterblichkeit, ein buddhistisches Paradies

Verdeckte Tatsachen
Shi Tao (1630-1708, Ming Dynasty)

Ein Blatt – eine klare Ruhe.
Eine Blume – ein wundervoller Duft.
Solch bloße Tatsachen,
will man sie verstehen, hierin liegen sie verborgen.

── aus Zhu Shi Mei Lan Tu

06.09.2021